Konflikte, Mobbing und menschenwürdige Arbeit


Diakon und Gewerkschafter Manfred Abt in den Ruhestand verabschiedet


Von Karl-Günter Balzer

Podiumsdiskussion mit Jörg Schönfelder (v.l.n.r.), Alfred Fleissner, Moderator Hartmut Schneider, Beate Friedrich und Uwe Kemper (Foto: Karl-Günter Balzer)
Podiumsdiskussion mit Jörg Schönfelder (v.l.n.r.), Alfred Fleissner, Moderator Hartmut Schneider, Beate Friedrich und Uwe Kemper (Foto: Karl-Günter Balzer)

Frankenberg. Seelische Wunden sind nicht sichtbar. Das unterscheidet sie von Verletzungen oder einer körperlichen Krankheit. Sie schmerzen aber gleichwohl und können das Leben zur Hölle machen. Auslöser für die Verletzungen sind meist Vorgesetzte oder Kollegen. Belastungen und Konflikte am Arbeitsplatz, mittlerweile kurz unter dem Begriff „Mobbing“ zusammengefasst, machen krank. Manfred Abt ist Mitarbeiter im kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt im Referat Wirtschaft – Arbeit – Soziales der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Er hat die Hilfe für Opfer und den Kampf gegen das Mobbing zu einem Schwerpunkt seiner Tätigkeit gemacht.

So stand auch bei seiner letzten Veranstaltung am vergangenen Freitag die Frage im Mittelpunkt, was in der Arbeitswelt gesund hält und wie man gegebenenfalls wieder gesund werden kann. Über 100 Interessierte konnte Referatsleiter Dr. Jochen Gerlach in der Ederberglandhalle begrüßen. Sie waren gekommen, um den Ausführungen von Dr. Alfred Fleissner zum Thema Mobbing zu folgen. Fleissner, der am Zentrum für Psychosoziale Medizin der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf forscht, forderte die Betriebe auf, Klärungsbeauftragte einzusetzen, die frühzeitig Mobbingopfern zu Hilfe kommen. Daneben hatte er noch ganz praktische Tipps für Betroffene parat. Es sei wichtig, nicht alleine in Gespräche zu gehen und die Konflikte zu dokumentieren. Sinnvoll sei auch der Verzicht auf vorschnelle Rechtfertigungen oder Gegenangriffe. Stattdessen sei es besser, die Situation zu verstehen, nachzufragen, was eigentlich hinter den Vorwürfen stecke und gegebenenfalls durch eine Krankschreibung die Situation zu beruhigen.


In der anschließenden Diskussion unter Leitung von Hartmut Schneider wies die Frauenbeauftragte des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Beate Friedrich, darauf hin, dass helfende Hände oft nicht gesehen würden. Daneben hatte sie die erschreckenden Zahl einer Studie parat, nach der allein in Hessen 56 000 Arbeitnehmer sich mit Tabletten für den Job dopen würden. Während Frauen vor allem Stimmungsaufheller nähmen, gehe der Griff von Männern eher zu leistungssteigernden Substanzen. Jörg Schönfelder, Betriebsratsvorsitzender der Continental AG in Korbach forderte eine Atmosphäre in den Betrieben, die es Betroffen frühzeitig ermögliche, ihre Belastungen zu äußern. Das wurde von Uwe Kemper, dem Vorsitzenden der Agentur für Arbeit in Korbach, unterstützt. Er sah aber auch Kollegen und die Führungsebene in der Verantwortung, Mobbing zu verhindern.


Manfred Abt (Foto: Karl-Günter Balzer)
Manfred Abt (Foto: Karl-Günter Balzer)

Manfred Abt ist Christ, Mitarbeiter der Kirche und Gewerkschafter


„Welcher Gewerkschafter würde ein Rede mit „Amen – so sei es“ schließen“, fragte Michael Rudolf, Geschäftsführer des DGB Nordhessen. Er würdigte die Facetten der Person von Manfred Abt, der eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gewerkschaft ermöglicht habe. Auch von Arbeitgeberseite, d. h. durch Henner Geil von der IHK Kassel-Marburg wurde Abt ähnliches Lob zuteil. Er wies auf die vielen Firmenbesuche und Veranstaltungen hin, die zu einem besseren Verständnis von Kirche und Wirtschaft geführt hätten. Und auch Daniela Sommer, Landtagsabgeordnete der SPD, lobte den einfühlsamen und ehrlichen Einsatz Abts, der dem Referat Wirtschaft – Arbeit – Soziales und der Gewerkschaft eine Stimme gegeben habe: „Du bist ein Vorbild. Du hast Dich mit Herzblut eingesetzt!“

Den Zusammenhang zwischen der Würde der Arbeit und der Würde des Arbeiters stellte Propst Helmut Wöllenstein in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Beides habe Manfred Abt gesehen und für beides habe er sich eingesetzt. Und wenn es in Gesprächen einmal zu schiedlich und friedlich zugegangen sei, dann sei es Abts Nachhaken gewesen, das verhindert habe, dass Probleme unter den Tisch gekehrt wurden.

Dass Abt als Christ ein Vorbild gewesen ist, wurde in einem Beitrag von Uwe Seibel, Pfarrer beim Diakonischen Werk, deutlich. Er hatte Abt noch als CVJM-Jugendarbeiter im Kirchenkreis Frankenberg kennengelernt. Seibel erinnerte daran, dass er neben vielen schönen Erlebnissen der Freizeitgestaltung auch einen tieferen Einblick in Bibel und Glauben erhalten habe. Und er dankte „Manni“, denn in seiner Jugendarbeit habe er den Impuls erhalten, der ihn zum Beruf des Pfarrers gebracht habe.

Manfred Abt dankte seiner Familie, den Wegbegleitern, den Anwesenden. Und dann hob er an zu einer furiosen Rede, die ihn ganz als Christen und Kämpfer für Gerechtigkeit zeigte. Beides ist für ihn untrennbar verbunden. Und so geißelte er die immer breiter werdende Kluft zwischen Armen und Reichen in Deutschland und die Belastungen für Arbeitslose, Alleinerziehende und Kinder. Und auch die internationalen Themen wie das Freihandelsabkommen mit den USA und der erpresserische Umgang mit Griechenland, dessen Schuldendienst zu 98 Prozent an die Banken geflossen sei, waren Gegenstand von Abts Kritik. Dass ein so politischer Christ in den Ruhestand geht, heißt vermutlich nicht, dass er sich ins Privatleben zurückzieht. Dass er künftig mehr Zeit für seine Familie haben wird, freut ihn gleichwohl.  (23.05.2015)

Bildergalerie (Fotos: Karl-Günter Balzer):

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